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Rolle im Ehrenamt finden

Was ist beim Ehrenamt am wichtigsten? "Dass es gesehen wird", war unisono die Meinung der Podiumsdiskussion im Vortragsraum der Sparkasse unter dem Thema "Ehrenamt 2020 - die Zukunft des Ehrenamts". Unterschiedlich ehrenamtlich arbeitende Personen begrüßte Gudrun Reuther, die Sprecherin des Netzwerks Ehrenamt. Sie erzählten, was sie ehrenamtlich tun, wie sie ihr Ehrenamt in einem engen Zeitkorsett noch unterbringen und was ihnen für die Zukunft des Ehrenamtes wichtig ist.

Denn es sind nicht nur die über 60-Jährigen, die im ehrenamtlichen Dienst überrepräsentiert sind, sondern auch die in der "Rush-hour des Lebens" Stehenden, die sich engagieren. Moderator Wolfgang Steffel rückte mit diesem Begriff diese Personen in den Mittelpunkt. "Ich habe jetzt 34 Schulstunden in der Woche", meinte Nomi Sonntag, die Schülersprecherin des Johann-Vanotti-Gymnasium. "Da bleibt einfach wenig Zeit", konstatiert sie. Schüler würden es als Belastung sehen, sich auch noch bei der SMV zu engagieren. Vor allem, wenn sie sich auch noch musikalisch oder sportlich betätigen. "Und viele setzen sich in sozialen Netzwerken ab", meinte die 16-Jährige.

Der Arbeitstag des Stuttgarter Rechtsanwalts Dr. Andreas Wax dauert "von 9 bis 9", bemerkte der Sohn des Ehingers Hermann Wax. Sein Ehrenamt, die Organisation des internationalen Handballturniers in Ehingen, "geht dazwischen". 26 Leute habe der Förderverein und die Motivation zum aufreibenden Job sei "Spaß an der Freud". Das gehe so weit, dass manche eine Woche Urlaub fürs Turnier opfern. Der Trend, dem Ehrenamt neue, vor allem englische Namen zu geben, um es aufzuwerten, "ist für uns nicht relevant", meinten Wax und andere Teilnehmer. "Man darf das Ehrenamt nicht kaputt reden", sagte Wax. Ihm sei es egal, ob es neu, alt oder altbacken rüberkomme, "Hauptsache, man ist neugierig, guckt, was man kann, und tut es". Lange darüber reden ist kein Charakterzug der Ehrenamtlichen.

Man müsse im Ehrenamt seine Rolle finden, sagte Bürgermeister Sebastian Wolf, der trotz seiner arbeitsreichen eineinhalb Jahre in Ehingen auch noch ehrenamtlich tätig ist. Bei seinen Arbeitszeiten könne er im Ehrenamt terminlich nicht fest eingeplant werden, meinte Wolf, "aber ich kann beispielsweise einen Flyer gestalten".

So findet viel Ehrenamt ohne Öffentlichkeit statt. Beim Vorlesen im Altenheim, Sprechen mit Zugezogenen, Hüten von Kindern und Reinigen eines Biotops arbeiten Ehrenamtliche fast nebenbei. Obwohl manche Bereiche Nachwuchsprobleme haben, "ist das Ehrenamt im kirchlichen Bereich im Aufwind", meinte Sigrid Schorn von den Caritas-Konferenzen. Für Christen sei es im Sinne der Nächstenliebe noch selbstverständlich, sich für andere Menschen zu engagieren.

Oft laufe es jedoch so, dass Menschen zum Ehrenamt geschubst werden. "Wenns sonst keiner will, dann mache ich es halt", hört Heidi Nothacker, Kreisvorsitzende der Landfrauen, oft. Direktor Klaus Höpner hat für sein Engagement im Schmiechtalkindergarten eine andere Erklärung. "Das ist ein Ausgleich zu meiner Zahlenwelt".

In der Diskussion vor etwa 50 Besuchern ging es auch um Professionalisierungstendenzen. Das wurde einerseits als Hilfe angesehen, andererseits "darf es nicht sein, dass man fürs Ehrenamt Abitur braucht". Und wie steht es um den Ruf des Ehrenamtes? Bestens. So gut, dass Betriebe und Schulen sich mit den Ehrenamtlichen profilieren. "Das hat dann schnell ein Geschmäckle", sagte Sigrid Schorn, "denn Einrichtungen, die ehrenamtliches Engagement vorweisen können, haben einen Wettbewerbsvorteil." Ehrenamt ist nicht nur Persönlichkeitsbildung, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. "Eine Stadt ist abhängig davon", gab Sebastian Wolf unumwunden zu.

Autor: CHRISTINA KIRSCH | 22.09.2012

GaschlerAngelika 06.11.2012
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