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Der Mann, dem die Senioren vertrauen

Eigentlich ist Karl Class Spezialist für Versicherungen. Er war 35 Jahre Bezirksgeschäftsführer der Barmer Krankenkasse in Ehingen. Aber seit einem Jahr ist er Spezialist für so ziemlich alles – und das ehrenamtlich. Jeden letzten Dienstag im Monat.

Denn an diesen Tagen ist Karl Class in einer offenen, kostenlosen Sprechstunde für, meistens ältere, Menschen da. Eine Altersbegrenzung gibt es aber nicht. Dieses Angebot wurde im Rahmen der Agenda 21 geschaffen. „Das Ziel ist, die Schwellenangst vor Ämtern zu nehmen“, erklärt Karl Class. Seine Bilanz nach einem Jahr Seniorenberatung in Ehingen ist positiv. Bei jedem Termin kommen fünf bis acht Menschen mit ihren Fragen und Ängsten zu ihm. Die Beratungstage sind meist ausgebucht. Und in manchem Fall konnte Karl Class sogar größere Missverständnisse aufklären.

Die Anliegen der älteren Menschen aus Ehingen und Umgebung drehen sich vor allem um den Hausnotruf, Pflegekräfte aus dem In- und Ausland, die Geringfügige Beschäftigung, Rentenversicherung und Rentenrückzahlungen. Aber es ging auch schon um Nachbarschaftskonflikte und ganz persönliche Ängste. Dennoch geht es meistens um eines, sagt Karl Class: „Ums Geld.“ So auch in den drei aktuellen Fälle des Ehinger Seniorenberaters:

Fall 1: Von der Rentenrückzahlung erdrückt. Eine Frau hat längere Zeit im Ausland gelebt. In dieser Zeit wurde die Rente weiterbezahlt, was aber erst später festgestellt wurde. So kommen jetzt Rückforderung „in nicht gerade kleiner Höhe“ auf die Frau zu, so Class. „Ich habe ihr dabei geholfen, ein Schreiben zu formulieren, in dem vorgeschlagen wird, die Summe in Raten zurückzuzahlen.“ Die Prüfung, ob die Rückforderung überhaupt rechtens ist, ist nicht die Aufgabe des Seniorenberaters. „Ich bin kein Rechtsberater“, betont er.

Obwohl das Beratungsangebot nicht altersbeschränkt ist, kommen meist ältere Menschen zu Karl Class. Über manche Dinge sollte man sich allerdings schon früh Gedanken machen, sagt er. Das zeigt der nächste Fall.

Fall 2: Von der General- und Versorgungsvollmacht. Eine alleinstehende Frau hat drei Kinder, mehrere Enkel und besitzt ein paar Immobilien. Sie macht sich Gedanken um ihr Testament. Oder soll sie gar keines machen, damit die gesetzliche Erbfolge greift? Statt Antworten auf diese Fragen hat Karl Class eine Gegenfrage: „Haben Sie eine General- und Versorgungsvollmacht?“ Hatte sie nicht. Class erklärt: Es geht um die rechtliche Aufgabenverteilung für den Fall, dass man dazu selbst nicht mehr in der Lage ist. „Man muss sich Gedanken darüber machen, solange man es kann“, sagt Karl Class. Also so früh wie möglich. Nach einem Unfall oder einer Krankheit könnten Gutachter einem die Testier- und Geschäftsfähigkeit absprechen. „Mit der Vollmacht kann man verhindern, dass sich am Ende eine wildfremde Person um das Erbe kümmert.“

Vor dem Gang zum Notar haben viele ältere Menschen Angst, so Class. Diese Schwellenangst besteht beim ehrenamtlichen Seniorenberater anscheinend nicht. Und so hat sich so mancher nach langer Zeit überwunden, eine offene Frage endlich auszusprechen. Über den nächsten Fall sagt Karl Class: „So etwas ist mir auch in meinem langen Berufsleben noch nie wiederfahren.“

Fall 3: Die verpasste Rente. „Du hast eh keinen Anspruch auf deine Rente“, sagte jemand zu der älteren Frau. Darauf verließ sie sich. Die Frau ist 76 Jahre alt. Erst jetzt, elf Jahre nach dem Eintritt ins Rentenalter, hat sie sich getraut, die Sache zu klären. „Eines war klar: Die Frau hat Anspruch auf Rente“, so Class. Ein häufiges Missverständnis sei, dass man automatisch Bescheid über die Rentenhöhe bekomme. „Aber das ist nicht so. Man muss einen Antrag stellen“, so Class. Die Frau bekomme jetzt wegen des verspäteten Antrags einen Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat. „Aber das ist keine Kompensation.“

Nach der Beratung sind die Menschen wieder auf sich alleine gestellt. „Ich gebe nur die Richtung vor, oder sage, was es für Möglichkeiten gibt“, so Karl Class. Nach einem Jahr hat sich der Seniorenberater einen guten Ruf erworben. „Dass viele Menschen immer wieder kommen, zeigt mir, dass sie Vertrauen haben“, sagt er stolz. Und seine Türe wird auch in Zukunft für alle Fragen und alle Menschen offenstehen. Immer am letzen Dienstag im Monat.

Karl Class war 35 Jahre Bezirksleiter der Barmer Krankenversicherung in Ehingen. Seit einem Jahr ist er ehrenamtlicher Seniorenberater.

Quelle: Schwäbische Zeitung vom 11.05.2013, Natalie Schick

GaschlerAngelika 16.05.2013
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