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Grandioses Konzert mit dem Welt-Pianisten Fazil Say

„Ich bin auf ihn aufmerksam geworden, weil in der Zeitung ein großer Artikel über ihn stand“, meinte eine Biberacher Konzertbesucherin am Freitagabend in der ausverkauften Lindenhalle. Die Dame hatte eine der letzten Karten ergattert und gehörte zu denjenigen Besuchern, denen der Pianist vor allem bekannt war, weil Fazil Say in der Türkei wegen öffentlicher Verunglimpfung religiöser Werte verurteilt wurde. Ein Großteil des Medieninteresses geht derzeit in diese Richtung. Deshalb war es besonders schön, nicht über Fazil Say etwas zu hören, sondern von ihm.

 

Der Konzertabend begann im Foyer und kleinen Saal der Lindenhalle mit musikalischen Beiträgen von Menschen, die mit ihrer Musik an ihre Heimattraditionen anknüpfen. Man hörte Blasmusik, einen kroatisch-griechischen DJ, türkische Volksmusik neu interpretiert und im kleinen Saal melancholische Musik aus Kroatien. Der Dank von Kulturamt und Lokaler Agenda ging dabei in besonderer Weise an die Mitwirkenden des Projektes „ganz normal“, die als Dankeschön auch die Eintrittskarten für Fazil Say geschenkt bekommen hatten.

 

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen eröffnete unter der Leitung von Norichika Iimori den Abend mit der atmosphärisch dichten Steppenskizze aus Mittelasien. In dieser Programmmusik mischten sich russische Weisen mit dem Getrampel von Pferden und Kamelen. Nach dem kleinen Ausflug ins Morgen- ging es musikalisch abrupt ins Abendland. Mit Mozarts 21. Klavierkonzert spielte Fazil Say eines der heiteren Werke des Komponisten dieser Art. Zunächst nimmt das Klavier darin wenig Raum ein und muss sich mit Girlanden und Trillern begnügen. In diesen „Pausen“ lehnte Fazil Say über dem Flügel und kommunizierte gelegentlich mit dem Orchester. Im Allegro vivace assai übernahm jedoch eindeutig Say die Führung und jagte mit seiner unorthodoxen Spielweise den Dirigenten durch den Satz (eine ausführliche Besprechung folgt im Kulturteil dieser Zeitung). Während des Spiels sang Fazil Say die Melodie mit und machte den Eindruck, dass ihn außer den schwarzen und weißen Tasten kaum etwas auf dem Hocker hielt.

 

Das Publikum war restlos begeistert und forderte eine Zugabe. Mit seiner Komposition „Black Earth“ zeigte der Star, wie er Jazz und türkisches Volkslied zu einer einmaligen musikalischen Dichtung verweben kann. Das Lied „Kara Toprak“, das der Komposition zugrunde liegt, erzählt von Einsamkeit und Verlust. Say dämpfte die Saiten mit der Hand und imitierte so den Klang der Saz. Man hörte aber auch explosiven Jazz und balladeske Folklore.

 

Nach der Konzertpause, in der die Zuhörer einem Musikhändler die Cds aus den Händen rissen, lichteten sich in der Lindenhalle die Reihen. Familien mit Kindern, die vor allem Fazil Say sehen wollten, gingen heim. Ihnen entging mit Fazil Says Sinfonie Nr. 1, der „Istanbul Symphony“ ein beeindruckendes Klangwerk, in dem sich West und Ost in einem symphonischen Klangbad mischten. Der Komponist verfolgte die Aufführung in der Seitenbühne. Manchmal sah man seine Füße wippen.

 

Fazil Say, der am Samstag im Münchener Residenztheater und gestern in Göppingen vor ausverkauften Häusern spielte, war nach dem Schlussapplaus kaum auf die Bühne zu bekommen. Trotzdem erntete er großen Applaus.

 

Quelle: Südwestpresse, Christina Kirsch vom 22.04.2013

GaschlerAngelika 24.04.2013
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